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Third Culture Kids (2): Übergänge
Von Ann Wöste
Übersicht

Foto: Konstantin Yuganov / Fotalia
Lebensübergangssituationen sind kritische Phasen im Leben, die jeder von uns kennt. In der Kindheit sind das vor allen Dingen der Eintritt in den Kindergarten, Schulwechsel, die Pubertät und dann der Übergang in das Erwachsenenalter, ins Studium oder den Beruf. Übergangssituationen kennzeichnet vor allem eins: die Veränderung. Die bisher alten Spielregeln gelten nicht mehr und die neuen sind noch nicht bekannt.

Solche Phasen sind mit großer Unsicherheit verbunden und werden oft als inneres Chaos empfunden. Ruhe tritt erst dann wieder ein, wenn die neuen Verhaltensweisen erkannt, erprobt und verinnerlicht sind und neue tragende Beziehungen geknüpft werden konnten. Bis dahin kostet der Alltag erheblich mehr Energie, bewusstes Überlegen statt intuitiven Handelns, ständiges Beobachten, wie und was die Anderen tun, die Spannung zwischen dem Versuch, sich anzupassen und man selbst zu bleiben, dem Verlust von Rollen, die die eigene Identität ausmachten und vieles mehr. Es gibt immer wieder Tage, die hauptsächlich von Frust und Verzweiflung geleitet werden, weil wir immer noch nicht genau wissen, wie das Leben in der neuen Gemeinschaft funktioniert, obwohl wir doch dachten, so allmählich hätte sich das Dunkel gelichtet.

Der Umzug ins Ausland ist so ein Übergang, und zwar ein besonders schwieriger, da sich nicht nur das persönliche Umfeld völlig verändert und damit die meisten Bezugspersonen wegfallen, sondern sich innerhalb von 24 Stunden, das Land/Kontinent, das Klima, die Kultur, die Essgewohnheiten, das Schulsystem und die Sprache gleich mitverändern!

Third Culture Kids haben diese Übergänge oft gleich mehrfach, zusätzlich zu den Lebensübergangsphasen, die zum Großwerden ohnehin dazugehören. Die Stationen meiner eigenen Kinder in ihren ersten zehn Jahren waren beispielsweise: China, Deutschland, Portugal, Deutschland, China und nun seit fast drei Jahren wieder Deutschland.

Jedes Kind hat sicher andere Anpassungsschwierigkeiten, wenn es seine Eltern ins Ausland begleitet, aber uns haben vor allem die Essgewohnheiten zu schaffen gemacht. Auch wenn es damals in Changchun noch nicht so viele westliche Lebensmittel zu kaufen gab wie heute, waren es doch schon einige. Nun sind meine Kinder in diesem Punkt sicher speziell, aber die Wurst hatte eine andere Farbe und konnte nicht mal probiert werden, da sie ja aus Italien und nicht aus Deutschland kam, der Frischkäse war zu hart und das Kakaopulver schmeckte irgendwie anders. Ich habe im ersten Jahr jeden Tag einen Hefestuten gebacken und Gott für meinen Weitblick gedankt, 20 Gläser Quittengelee von Oma in den Container zu schmuggeln, um meine Kinder satt zu kriegen. Wenigstens den nackten Reis haben sie gegessen, wenn wir mal zum Chinesen um die Ecke gegangen sind…

Von einer Freundin, die mit ihrer Familie in Mexiko war, habe ich gehört, dass ihr Sohn komplett in den Hungerstreik getreten ist. Da ist ein Jahr Quittengelee sicher noch die entspanntere Alternative…


 
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