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Wann ist Weihnachten?
Von Peter Kruse
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Fred. M schreibt:

Es ist komisch, seit ich im Ausland bin, jetzt in China, vermisse ich die deutschen Feiertage. Zu Hause bin ich seit der Konfirmation nicht mehr zur Kirche geangen. Aber hier habe ich ein anderes Gefühl zu Weihnachten und Ostern. Was läuft da bei mir ab?


Peter Kruse antwortet:

Es ist eine alltägliche Erfahrung, je weiter man reist, desto eher vermisst man, was man vorher hatte. Der Spruch meiner Mutter: "Ob Ost, ob West, to hus is best".

Das betrifft Menschen, Orte, den Dialekt, all das Gewohnte...

Oder besser, das Gefühl kann oft ambivalent sein: einerseits froh dem allen zu “entkommen”, dann die Erfahrung zu machen, dass etwas fehlt. Das kann auch phasenweise erlebt werden. Alle Facetten sind möglich.

Aber zu den Feiertagen, den christlichen, noch ein Diskurs. In Deutschland oder auch in fast ganz Europa werden diese Feste letztlich über die Kommerzialisierung immer in unser Bewußtsein gebracht.

Und dann fallen uns auch die Hintergründe der Feste ein – mehr oder weniger genau.
Selbst im säkularen China wird das Weihnachtsfest zum Kommerzfest mit Tannenbaum und eher amerikanischen Requisiten, wie Rentier, Coca Cola Weihnachtsmann und möglich bunt und schrill.

Den Chinesen und auch vielen Europäern ist der christliche Hintergrund fern oder gar unbekannt. Die Säkularisierung in Europa scheint auch nicht aufzuhören, trotz Luther Jahr und Ökumene.

Aber trotzdem bleiben die Gefühle. Wenn auch schwer zu beschreiben und meist ein Kuddelmuddel von Gefühlen und Erinnerungen. Meist sind es kindliche oder besser Gedankensplitter aus der Kindheit.

Erinnerungen an Schnee, Schlitten oder Skifahren, ausgelassenes Spielen im Tiefschnee und hinterher eine heiße Tasse Kakao am warmen Kaminofen. Selbst wenn alles ganz anders war, kommen diese Bilder mit Macht aus dem Unbewußten.

Auch der Kirchgang und seine Weihnachtslieder haben ihren Platz in unserem Bewusstsein. Und selbst der hartgesottene Agnostiker kann sich den Gefühlen, die damit verbunden sind, nicht entziehen.

Also wie geht man damit um? Verdrängen? Aufklärerisch den Intellekt spielen lassen und ab in die Sonne nach Thailand oder Hainan und den lieben Gott einen guten “Weihnachts-”mann sein lassen?

Oder ab nach Hause, zur heimatlichen Familie: Oft ist dann Stress angesagt, ob allein oder mit Kindern. Alle wollen besucht werden, niemanden darf man auslassen: Eltern, Großeltern, Geschwisterfamilien, Freunde und Bekannte – Fahren und übernachten und essen und noch mehr trinken? Fragen ausweichen wie “warum gerade China? Wie kannst du in einer Diktatur arbeiten? Es ist unverantwortlich mit Kindern dort zu leben! Dieser Smog!” usw... und irgendwann fällt einem nichts mehr ein und man möchte den nächsten Flieger zurück nach Shenzhen nehmen.


 
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