SHENZHEN
China Bashing
Von Peter Kruse
Übersicht

Andreas W. aus Darmstadt, jetzt Shenzhen schreibt:

Mein erster Tag in der Firma war eigenartig. Freundlicher Empfang vom chinesischen Vizepräsidenten und von meinen chinesischen Kollegen und Kolleginnen . Es war ein freundlicher, fast liebenswerter Empfang.

Aber während der Mittagspause sass ich nur mit den ausländischen Kollegen zusammen, darunter auch drei Deutsche (nur Männer). Kein Wort der Begrüßung, oder “wie sieht's im HQ aus” oder was läuft so in DE... irgendwas... Nichts.

Statt dessen: Eine Warnung nach der anderen vor den Chinesen! Pass auf, die Grinsen vorn und hinten treten sie. Die sind Speichellecker, sei vorsichtig mit der Übersetzerin, sei vorsichtig mit der Sekretärin. Der Fahrer ist gefährlich! Fahre bloss nicht selber Auto! usw...

Ich kam nach Hause und sagte zu meiner Frau: Wir müssen hier weg. Die deutschen Kollegen sind grässlich und rassistisch.

Heute nach fünf Jahren in der gleichen Firma, mit denselben chinesischen Mitarbeitern und viel weniger Expats läuft der Laden rund, … Es gab Ärgernisse, Missverständnisse und Streit. Aber immer produktiv und zielgerichtet wurden die Konflikte gelöst.


Was ist los mit vielen Expats?

Mein Versuch einer Antwort:
Meine Erfahrung ist, dass die meisten Expats meist gut mit den chinesischen Mitarbeiter/innen, Chefs und Nachbarn klarkommen.

Der Ausbildungsstand hat sich in den letzten Jahren auf fast allen Ebenen stark gesteigert – auf allen Seiten. Eine gute Personalpolitik und die Beachtung einer produktiven Firmenkultur tun ein Übriges. Doch begegnen uns immer wieder Leute, die nur meckern, kritteln, verachten und beleidigen.

Wie geht man als Chef oder Kollege oder Nachbar mit solchen Menschen um?

Zu allerst: Reden, reden, reden... Immer wieder hinweisen auf unqualifizierte Bemerkungen, Nachfragen, was wirklich vorgefallen war, ob andere es auch mitbekommen haben, Fake News aufdecken.

Dann Ermahnen, wenn der Betriebs-, Nachbarschafts, oder Schulfrieden gefährdet ist. Nach den persönlichen Ursachen fragen, nach der Motivation, warum so jemand nach China gekommen ist, was er oder sie erlebt haben. Werben für einen anderen Umgang, hinweisen, dass wir hier die Ausländer sind und dass man uns genauso skeptisch anschaut, wie wir die Immigranten in Deutschland!

Und wenn es nicht nur Einzelne betrifft, sondern offensichtlich mehrere der Expatkollegen, dann noch ein Versuch eines ernsthalten interkulturellen Trainings mit der Aussicht bei weiterem “Stören des Betriebsfriedens“ Abschiebung nach Deutschland oder wohin auch immer.

Expats sind Entsandte ihrer Firma, aber sind immer auch Botschafter ihres Landes. Von beiden Rollen haben wir – hoffentlich - vorher gewusst und haben sie jetzt zu “spielen”. Alles andere ist schädlich für einen selbst und für alle Entsandten.




 
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Johann8
08-okt-18
Den Beitrag stimme ich voll zu. Und wir sind nicht nur Botschafter, sondern auch Gast in diesen Wunderschönen Land. Und alle haben wir eins gemeinsam. Ein jeder möchte mit Würde behandelt und begegnet werden.
 
 
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