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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser   guter beitrag schlechter beitrag
Ausserirdischer
31-jul-09
Mitarbeiter eines Deutschen Werbeunternehmens in China gründen Schattenfirma und schöpfen Verträge ab. A cautionary tale from China.

http://www.ft.com/cms/s/0/e4103832-7a87-11de-8c34-00144feabdc0.html

Und so reagieren die Aktionäre:
http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1041997-1351-1360
 
 
aw: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser   guter beitrag schlechter beitrag
dong le ma
31-jul-09
“My management philosophy was one of mutual trust and harmony, a merging of European quality standards and discipline with Chinese drive and knowledge of the market,” he says, sitting in his plush Beijing office surrounded by contemporary Chinese art. “I realise now that the key to everything in China is not harmony but control.”

Die Einsicht hat den Herrn H und seiner Firma aber ne ganze Stange Geld gekostet. Dann kommt sicher bald wieder die Meldung über die nächste Firma, ähnlich Geschichte. Ich glaube in Guangzhou kursiert eine ähnliche Geschichte wie einem Deutschen Unternehmer das Vertrauen zur Assistentin zum Verhängnis wurde. Mensch, wie kann eine so große Firma jemandem die total Kontrolle lassen der sich mit China offensichtlich nicht auskennt? Kann man sich nur wundern wie andere Firmen mit Ihrem Vermögen umgehen…
 
 
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Frieder Demmer
31-jul-09
Die Verwechslung von "Harmonie" und "Offenheit" mit "Unbeteiligtheit" ist m.E.n. kein China-spezifisches Problem, deswegen halte ich auch die Schlussfolgerung, dass das Senior Managment westlich sein muss für unzulässig.
 
 
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Frieder Demmer
05-aug-09
Um es nochmal anders zu formulieren, weil mich die Sache wirklich ärgert:

Natürlich kann ich in China jemanden einsetzen, etwas "in meinem besten Interesse" zu regeln. Nur sollte ich vorher absichern, dass dieses auch im besten Interesse des Ausführenden ist.

Ein 40 Mio Euro-Startup wird auch in Deutschland in Wirklichkeit vorrangig über Kontrolle gemanaged - das vermeintliche "Vertrauen" wird doch von einer viel höheren Rechtsverbindlichkeit abgesichert.

Ansonsten: Never f... in the Company: Wenn mein neuer GF als erstes meine Privatsekretärin heiratet, dann ist mir nicht "ein bisschen unwohl", dann ziehe ich Konsequenzen, und zwar egal in welchem Land - außer antürlich, ich bin erpressbar... .

Es kann sein, dass der Herr H. wirklich ein netter ist. Aber wir reden hier primär über grundlegende handwerkliche Fehler, und nur höchst sekundär über ein interkulturelles Problem.
 
 
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dong le ma
06-aug-09
Es scheint auch nur uns beide aufzuregen (das Forum Post Hepatitis B hat 191 Einträge). Das zeigt mir dann auch was die meisten aus der Geschichte lernen werden – gar nix. Mich wundert immer nur wie deutsche Firmen immer etwas treudoof in solche Fallen torkeln können? Ist das weil die glauben immer alles besser zu wissen? Oder weil die sich einfacher einlullen lassen? Na ja, kann man sich nur fragen wie viel 40 Millionen Euro für manche wert sind.
 
 
aw: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser   guter beitrag schlechter beitrag
nutcracker (Gast)
06-aug-09
Wieso aufregen ?

?There is an attitude among many in the Chinese business community that foreigners are rich and stupid and therefore fair game;"
- muss ich tatsächlich zustimmen, die meisten Merchandiser bei unseren Herstellern wissen mehr über die Produkte als die Facheinkäufer aus Europa,
dabei verdienen die ersteren nur 2k RMB. Die Europäer sind dafür groß im Reden und Fordern.

"that deceiving them is somehow acceptable in a way it wouldn?t be if they were Chinese,?
- Nein, die bescheissen sich untereinander genauso.

" [they] would flatter Mr Hilligardt, praising his Chinese language ability in spite of the fact he could barely say anything"
- vollkommen normal, ob der H nun Chinesisch kann oder nicht, ist ohne Belang, "flattery" ist Teil der Arschkriecherei hüben wie drüben.

"I blame myself for this mess but this possibility never even crossed my mind"
- Genau das ist der Punkt und ich höre es doch fast jede Woche: "Ich habe da einen Chinesen kennengelernt, der in Deutschland studiert hat und der ist so nett..."

"deswegen halte ich auch die Schlussfolgerung, dass das Senior Managment westlich sein muss für unzulässig."
- Nein, sehe ich nicht so. Die Schlussfolgerung ist richtig ! Deutsche Firmen gehen aber gerade den entgegengesetzten Weg, warum: aus Kostengründen. Nun die werden sich noch wundern und wir dann weitere Geschichten a la Siemens Mobile etc. lesen. Die localisation wird sehr viel teuerer werden, als sie alle (kurfristig) denken.
 
 
aw: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
07-aug-09
Dachte. ich hätte gerade gepostet..., nun denn, dann noch einmal.

Zur Frage der Lokalisation: Da helfen keine Glaubenssätze. Das ist schlicht eine Einzelfallentscheidung, und abhängig von Markt, Branche, Geschäftsmodell sowie Beteiligungs- und Kontrollmöglichkeiten - und da ist tatsächlich recht häufig der Expatriate die richtige Antwort - aber nicht zwingend.

Wenn ich ausgerechnet mein Seniormanagement primär aus Kostengründen austausche, dann sind die Folgen wieder weniger ein interkulturelles Problem, sondern eine Frage des Unternehmensverständnisses.

Ich lokalisiere primär, um effizienter zu werden, d.h. primär, um mit dem gleichen Mitteleinsatz, mehr zu erreichen. Kein chinesischer Top-Mann (und auch keien Frau...) wird sich heute noch einkaufen lassen, wenn man mit, besser gesagt primär ja direkt AN IHM, SPAREN möchte. Unter dem Ansatz bekommt man Statthalter, denen die Gesamtsicht fehlt, und die ich daher eigentlich umso enger führen muss, oder eben Reisende, die sehr genau wissen, was ihre Position wirklich wert ist, und diesen Wert früher oder später auch realisieren wollen.

Auch kann es nicht darum gehen, erst drei Vollzeitleute vor Ort zu haben, und dann als nächsten Schritt einmal im Jahr vorbei zu schauen. Persönliche Präsenz ist unersätzlich - ich kann sie nur unterschiedlich gestalten.

An Siemens Mobile ließe sich übrigens geradezu prototypenhaft zeigen, dass Unternehmensbindung keine Frage der Nationalität ist.
 
 
aw: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser   guter beitrag schlechter beitrag
nutcracker (Gast)
07-aug-09
Mit Siemens Mobile meinte ich auch eher die dreiste Art und Weise wie man jedes Jahr ankündigte den Marktanteil in China zu vergrössern um ihn dann zu halbieren. Tolle Leistung. Am Ende nannten sie es einen Verkauf und haben 400 Mio dazu zugelegt oder ? War Siemens nicht sogar der Vorreiter beim Lohnverzicht in Kamp Linforth um dann später doch zu schliessen ?
Aber ich bin nicht vom Fach, sondern eher Mitleser.

Aber sicherlich, ich habe Vorurteile gegenüber Beratern - Ausnahmen mag es geben.

Aber ehrlich, wer wundert sich über Firmen wie Arcandor ? Welcher Berater hat diesen Namen erfunden, und wer kam auf die Idee den Fernost Einkauf zu verscherbeln ? Das Ende war für Menschen mit gesundem Sachverstand doch schon vor 5 Jahren absehbar.

Leid tun mir in allen Fällen die Angestellten, die ja nun gar nichts dafür können. Da hängen oft Existenzen dran und die Meldungen in den letzten Wochen und Tagen, dass die Deutsche Wirtschaft jetzt überraschend schnell wächst ist und alles aufwärts geht ist genau so eine Augenwischerei.

Mit Ihrem comment "- und da ist tatsächlich recht häufig der Expatriate die richtige Antwort - aber nicht zwingend. " kann ich aber gut leben.
 
 
(thread closed)

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