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Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
22-feb-06
Pirx hat im DC-Thread die Frage aufgeworfen, ob Expat-Clubs etc. eine angemessene Auseinandersetzung mit der Umwelt nicht letztlich verhindern, und nicht besser der Weg der "full immersion" gesucht werden sollte.

Startgedanken:

Real- oder wie es manchmal auch heisst "Ernsterfahrungen" sind durch nichts zu ersetzen. Je direkter, d.h. auch ungeschützter ich mich mit meiner Umgebung auseinandersetze, desto intensiver die Lerneffekte. In diesem Sinen soll man ins "wirkliche Leben" eintauchen wo immer es geht (so u.a. zu finden in diesbezueglichen Materialien des DC :-)

Wer ins kalte Wasser geworfen wird, lernt entweder schwimmen - oder ertrinkt unter Schock. Den letzteren Fall bei einer Entsendung zu riskieren ist nicht realistisch.

"FULL immersion" heisst in Shanghai auch Auseinandersetzung mit den Einstrahlungseffekten westlicher Kultur. Die Berufung auf "Full Immersion" ist nicht selten gekoppelt mit verdeckt restaurativ-romantisierenden Vorstellungen der "Zielkultur".

Letzte Gedanken: Ab wann bin ich "fully" immersed - was hat die Umgebungskultur davon?

Fazit:
"Full immersion" scheint mir fuer die meisten Faelle illusionaer, wird schon dann problematisch, wenn eine Rueckfuehrung in das gewohnte kulturelle Umfeld absehbar ist, insbesondere bei Kindern im Zusammenhang mit Schule und Ausbildung. Wer alleine ist und eh da bleibt, kann logischer Weise immersen, so tief und umfassend wie er/sie will ;-).

Angemessene, alltagsnahe Vorbereitung - moderierter Erst-Kontakt zum Start - zunehmende Integration bei Wahrung des Heimatbezuges - gleichermaßen vorbereitete und begleitete Rueckkehr - so sehe ich persoenlich den idealen Prozess. Und da koennen Clubs als ergaenzendes Element dem ein oder anderen durchaus helfen - muss ja nicht allen.
 
 
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yanggui
22-feb-06
full immersion wird in china vermutlich fast immer illusionär bleiben. zum einen ist dieandersartigkeit von vorn herein zu groß und zum anderen dsowohl anpassungsbereitschaft der ankommenden als auch aufnahmebereitschaft der einheimischen nur begrenzt gegeben sind

eine angemessene vorbereitung zum start bzw. auf den start gehören natürlich zu jedem auslandsaufenthalt. allerdings würde ich hier eher die eigeninitiative und ein echtes eigenes interesse der betroffenen erwarten und nicht den anspruch, praktisch als serviceleistung von irgendwem erst mal an die hand genommen zu werden. dazu gehört dann auch die sprachliche vorbereitung, selbst wenn man sich beruflich auch irgendwie mit englisch durchwursteln dann.

beim "klassischen" expat mit relativ hohem einkommen, isoliertem wohnumfeld, der erfahrung die meisten chinesen zunächst als untergebene
kennen zu lernen ist dann der ansatzpunkt von vorn herein kaum zu finden.

clubs könne bei sowas vermutlich helfen, ich denke jedoch, dass in der realität eher eine menge von biotopen entstehen wird, in denen man man je nach herkunft mehr oder weniger unter sich ist von daher ist so ein club für die wahrung von bezügen zur herkunft gut, unterliegt jedoch per se der gefahr, die immersion eher zu verhindern
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
La Bruja
23-feb-06
Ich stimme Yanggui zu, 'full immersion' (warum sagt niemand 'komplette Integration'?) wird für die meisten Ausländer hier eine Illusion bleiben.
Zum einen sind es die mangelnden Sprachkenntnisse, die das schon einmal verhindern. Zum anderen bleiben die meisten Expats nur zwischen einem und drei Jahren. Das reicht alleine bei einem innerdeutschen Umzug kaum, um wirkliche Freunde in einer neuen Stadt zu finden. Wie soll es dann erst in einem fremden Land klappen?
Ob ich dann die Chinesen (oder Lateinamerikaner, Afrikaner oder sonstwen) dann erst mal als Untergebene ansieht, das hängt in der Hauptsache von der sozialen Kompetenz (so nenne ich das jetzt erst mal) ab und nicht an der Höhe des Gehalts.
Ich persönlich bin mir im klaren, daß ich mich wohl niemals komplett hier in diesem Land integrieren kann. Aber ich kann mich annähern. Und das liegt ganz alleine bei mir.
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
Godfather
23-feb-06
Das Ziel "Full Immersion" zu erreichen ist sicherlich nichts für Menschen die nur befristete Zeit in einem anderen Land leben. Wobei, dies so pauschal zu sagen schwierig ist. Nach einem Jahr in England oder Amerika wäre ich wohl schon "fully immersed". Ganz einfach aus dem Grund, dass ich die Sprache auf einem Level beherrsche und sie somit keine ausgrenzende Funktion mehr hat. Aber auch, weil die Ausgangs- und Zielkultur verhältnismäßig ähnlich sind.

In China dies zu schaffen ist sicherlich schwieriger. Neben den optischen Abgrenzungskriterien (ich würde nie als Chinese wahrgenommen) ist der erste Schlüßel überhaupt die Sprache. Ohne die Sprache ist es ja nocht nicht einmal möglich einen Zugang zu erlagen, egal ob er dann dazu führt, dass sich die Person anpasst oder nicht.

Letztendlich bin ich der Überzeugung, dass nur in wenigen Fällen die vollständige Integration möglich ist. Die vielen, seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden Gastarbeiter der ersten Generation, welche mit 20, 30 Jahren nach Deutschland gekommen sind, werden überwiegend immer noch nicht vollständig integriert sein. Erst die in Deutschland geborene oder aufgewachsene Generation hat die Chancen dazu. Wobei es hier auch starke Unterschiede zwischen den diversen Kulturen gibt und die Integrationsförderung in D nicht gerade eine exzellenten Ruf hat.

Für Menschen ab 20, 30 stellt sich auch die Frage ob "Full immersion" überhaupt ein Ziel ist. Je fremder, je unterschiedlicher die Kultur des Gastlandes ist, desto geringer ist die Chance, diese Kultur jemals völlig aufzunehmen. Zum einem, weil es schwierig ist das alles in so einem "fortgeschrittenen" Stadium zu erlernen und zum anderen, weil es Konflikte zwischen den eigenen und den fremden Werten gibt, welche eine "freundliche Übernahme" geradezu ausschließen.

Mit den Eigenarten einer Kultur umgehen oder damit leben zu können ist für mich mitnichten ein Zeichen für "full immersion". Aber in China schon ein sehr großes Ziel

再见
Godfather
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
Kerstin Kaehler
23-feb-06
Ich bin ja nichtmal sicher, ob ich in meinem Heimatland Deutschland 'fully immersed' bin, wie sollte ich es da im Ausland sein? :)

Gruesse,
Kerstin
 
 
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Galimatias
23-feb-06
@ Kerstin
Das war auch ein spontanger Gedanke von mir.
Aber je länger ich darüber nachdenke, desto eher glaube ich, daß da ein großes Stück Wahrheit dran ist. Besonders, wenn man von einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt zurückkommt. Wird man dann jemals (wieder) 'fully immersed' sein?
Oder hat man da nicht noch größere Schwierigkeiten mit der Wiedereingliederung?
Wird man überhaupt wieder eingegliedert gelassen?
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
yanggui
23-feb-06
@galimatos

also ich kenne mehrere firmen, die mitarbeiter im ausland haben, die als "in deutschland nicht mehr einsetzbar" gelten

wenn es die firmenstruktur hergibt, führt dies dann dazu, dass der/die betreffende dann von einer auslandniederlassung zur anderen und gegebenenfalls wieder zurück versetzt wird.

ist eine solche lösung nicht möglich, gibt es echte probleme. wenn es gut geht, klappt die wieder eingliederung nach einiger zeit doch noch, wenn nicht, dann wird es echt schwierig
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben?   guter beitrag schlechter beitrag
mitleser
23-feb-06
kurze Verständnisfrage:

full immersion = vollständiges Eintauchen, richtig? Das heißt, dass man in die Kultur des Ziellandes "eintaucht", sprich sich vollständig darauf einläßt. Also z. B. in China im chinesischen Compound wohnt, chinesisch isst, die Sprache lernt, Kontakte aktiv sucht, etc. pp. Die vollständige Integration wäre eventuell das Resultat.
Hab ich das richtig verstanden?
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben   guter beitrag schlechter beitrag
JK
23-feb-06
Ich will hier nicht zu viel aus dem Nähkästchen erzählen, aber doch zumindest mal einen kleinen Faden spinnen:

Ich habe während meiner Schulzeit einen einjährigen Auslandsaufenthalt in Jamaika gehabt.
Habe bei einer Jamaikanischen Gastfamilie gewohnt, bin zu einer Jamaikanischen Schule gegangen und hatte auch nur Jamaikanische Freunde.
Diese Zeit hat sich definitiv nach kompletter Integration angefühlt - schließlich hatte ich zu der Zeit auch praktisch keinen Kontakt mit Deutschland.

ABER da ist bereits der große Unterschied zu meiner Erfahrung hier. Langsam fühle ich mich so als würde ich zwei verschiedene Leben leben. Tagsüber fully immersed, abends bzw. nachts sitze ich hier vor meinem Laptop, lese mir Deutschen Schwachsinn durch, und spreche online mit Deutschen Leuten. Wahr ist: In dieser Weise wird es für mich sicherlich nicht möglich sein hier in ein komplett neues Leben einzutauchen, aber fraglich ist ob ich bereit bin mein altes aufzugeben. Ist man dazu nicht bereit wird es auch nicht möglich sein komplett einzutauchen.
Zur Sprachbarriere: Diese lässt sich mitunter schnell abbauen, wenn man sich nur darauf einlässt und auf Leute zu geht. (Damit meine ich nicht dem Taxifahrer zu sagen wo er hinfahren muss...)

Wer dem Traum der völligen Integration hinterher hinkt sollte vielleicht einfach mal über seinen Schatten springen, zum Basketballplatz gehen und mitspielen (jaja nur ein Beispiel) oder ähnliches tun. Mir fällt immer wieder auf wie viele Leute sich darüber beschweren, dass man in die Kultur nicht aufgenommen wird... Ich kann mir, meine Erfahrungen zu Grunde legend, nicht vorstellen, dass es überhaupt irgendwo ohne große Eigeninitiative möglich ist sich irgendwann zugehörig zu fühlen.


Einfach mal von selber losgehen und nicht drauf warten, dass jemand zu euch kommt. Es steht schließlich auf keiner Stirn "Ich bin Ausländer und habe keine Freunde, sprich mich an" (Vielleicht wäre das aber mal eine Idee die man ausprobieren sollte)
Beste Grüße
 
 
aw: Voll eingetaucht - oder voll abgehoben   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
23-feb-06
@Mitleser - richtig verstanden.

"Full immersion" kann ich ganz formalistisch mit "gleichen Lebensbedingungen" definieren - aber dann kommt man schon wieder ins Schleudern:

Gleiche Lebensbedingungen wie wer?

Der chinesische Kollege mit gleichem Abschluss?

Oder der mit vergleichbarem Einkommen?

Der einkommensgleiche Chinese wohnt auch im Villencompound, geht auch in elitaere Clubs und hat auch Fahrer und Hausangestellte... - mmpf .... - da ist manch westlicher GM mit dem an den Tag gelegten Lebensstil besser "immersed" als es vielleicht den Anschein haben mag :)! Problem ist, wenn er/sie die andere Seite Chinas nicht kennt - dafuer kennt er eine, die sich dem oberflaechlich besser integrierten Studenten im Wohnheim nicht erschliesst - aber genauso Teil des Landes ist.

Der bildungsgleiche Chinese wohnt viel einfacher. ABER: Er hat dafuer im Gegensatz zu mir sein familiaeres und Guanxi Netzwerk vor Ort zur Verfuegung, hat ein lokal angepasstes Immunsystem, bewegt sich in einer muttersprachlichen Umgebung, hat nie anders gelebt, folgt einem fuer sich und seine Familie relativ risikolos stringenten Lebenslauf.

Mich auf seinen Lebensstandard zu reduzieren, bedeutet mich in einen hochgradig ungleichen Wettbewerb zu begeben.

Ich denke - wie TK mit seinem schoenen Beispiel schon gezeigt hat - es ist zur Beurteilung des erreichbaren und sinnvollen "Eingliederungsgrades" immer wichtig, den Gesamt-Kontext eines Auslandsaufenthaltes zu sehen - was fuer den Studenten und Einzelkaempfer, Auswanderer noch vermittelbar ist, ist in einem Kontext mit Familie und bei temporaerem Aufenthalt fragwuerdig.

"Eintauchen" kann natuerlich lockerer (und so war es vermutlich auch gemeint) gefasst auch einfach heissen:

Meet the people! Wahrnehmen, zuhoeren, sich auseinandersetzen. Nicht als vermeintlich gleichmachendes Prinzip oder Rosskur (die nicht selten dann in noch unangemessenere Aversionen muendet) - sondern als kreatives Wechselspiel.

Dann bin ich dann "voll" dabei
 
 
(thread closed)

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