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Roman: Die Rebellin von Shanghai (8)
Von Tereza Vanek
Übersicht

Rechts: So oder so ähnlich könnte Charlotte ausgesehen haben
Elsa stapelte sorgfältig die Rechnungen über die Einnahmen und Ausgaben der letzten Woche, um sie danach in die vorbereitete Liste des Kontorbuches einzutragen, gegenüberzustellen und schließlich die Endsumme über Gewinn oder Verlust auszurechnen. Auf diese Weise, so befand sie, war es einfacher, einen Überblick über den Stand der Geschäfte zu bewahren, als wenn man über Monate hinweg einfach nur alles ins Kontorbuch kopierte. Der kleine, flinke Dewei hatte ihren Vorschlag ohne langes Zögern angenommen und zeigte sich bald schon beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit sie im Kopf mit Zahlen zu jonglieren vermochte. Nach all ihren Schwierigkeiten in der Firma von Herrn Nils konnte Elsa manchmal einfach nicht glauben, wie unkompliziert es nun war, ihre Vorschläge vorzubringen und Gehör zu finden. Dewei, der sich westlichen Kunden gegenüber meist David nannte, war nach den ersten Tagen gegenseitiger Skepsis zu dem umgänglichsten Vorgesetzten geworden, den sie jemals kennengelernt hatte – vielleicht, weil er sich nicht wirklich als ihr Vorgesetzter fühlte. Wenn englische Herrschaften eintraten, um sich nach dem Preis von Tee, Seide oder Porzellan zu erkundigen, überließ er meist Elsa den Vortritt. Sie begriff erst nach ein paar Wochen, dass zwar auch in Shanghai Männer gewöhnlich das Sagen hatten, die meisten Westler aber lieber bei einer europäisch aussehenden Frau einkauften als bei einem Chinesen.

Die Huntingdons waren keineswegs reich, wie sie inzwischen wusste, obwohl sie aufgrund ihrer Erbschaft über weitaus mehr Geld verfügten, als Elsas Familie je besessen hatte. Einen erheblichen Teil des geerbten Vermögens hatte Viktoria in ihr Waisenhaus gesteckt. Dewei deutete an, dass sie schon früher für wohltätige Organisationen gearbeitet hatte, doch nach ihrer Heirat mit einem Halbchinesen war sie dort nicht mehr willkommen gewesen. Elsa begriff erst durch ihn, welchen Preis Viktoria für ihre offenbar sehr glückliche Ehe hatte zahlen müssen. Die verwöhnte Dame wurde für sie dadurch ein wenig menschlicher, denn sie wusste, wie hart es war, wenn Konventionen eigenen Wünschen im Weg standen.


 
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